Wie finde ich das richtige Onlineshop-System?

Bewertungskriterien für eine Vergleichsbasis von Onlineshop-System

Wie versprochen beginnen wir die Serie „Die Top4 Onlineshops – und welches Onlineshop-System passt zu mir?“. Bevor wir aber in den Vergleich der Top4 Onlineshops einsteigen, wollen wir Bewertungskriterien erstellen, die uns beim objektiven Vergleich der Onlineshop-Software unterstützen sollen.

Nutzerzahlen: Kann sich die Masse täuschen?

Bei den Nutzungszahlen der einzelnen Onlineshop-Systeme lässt sich herstellerseitig tricksen. Ein guter Indikator, auch für die zukünftige Entwicklung, ist die Aktivität und die Größe der bestehenden Community, also den Leuten die aktiv zu dem jeweiligen Shop mehr oder weniger beitragen. Projekte mit veralteten Onlineshop-Systemen und inaktiven Communitys und möglicherweise schlechtem Support lösen über kurz oder lang Frust aus. Bevorzugt ein Hersteller eines Onlineshops, also die Organisationen die hinter dem Onlineshop stehen, einen offenen Umgang mit dem Quelltext und den darin enthaltenen Bugs, erkennbar durch die Nutzung von Plattformen wie bspw. GitHub oder Bugtracking-Systemen wie Trac, Mantis oder Redmine, schafft dies Vertrauen für die Onlineshop-Agentur. Werden die gefundenen Fehler auch noch in kurzen Zeitspannen behoben ist das ein starkes Argument für diese Organisation.

Zur Eingangsfrage: Ja und Nein – eine aktive Community, die laufend Verbesserungen beiträgt kann besser sein, als eine Masse, die sich auf ein System stürzt, aber es schlichtweg nicht versteht (Sichwort: Usability).

Usability / Gebrauchstauglichkeit: Kann ich damit meine Conversion steigern?

Die Gebrauchstauglichkeit von Software (engl. = usability) beschreibt einen Schwierigkeitsgrad der Interaktion eines Benutzers mit einer Software und die Akzeptanz der Software durch den Benutzer. Im besten Falle reagiert eine Software so, wie der Benutzer es intuitiv von dieser erwartet. „Neue“ Konzepte, wie die Bedienung durch Touch-Elemente mit Unterelementen, wie bspw. das Schieben und Wischen von einzelnen Elementen, haben sich bisher im Web leider noch nicht überall durchgesetzt – sind aber auf dem Vormarsch.

Prinzipiell gilt es bei der Usability folgende 5 Punkte stets einzuhalten:

  • Fehler: Im System dürfen keine Fehler enthalten sein, die bspw. zum Abbruch der Bestellung führen könnten
  • Effizienz: Alle Aufgaben müssen von dem Benutzer (Kunde oder Betreiber) so einfach gestaltet sein, dass ein produktives Arbeiten ermöglicht wird.
  • Wiedererkennungswert: Der Aufbau des Systems muss so einfach sein, dass ein normaler Benutzer, der das System vor einiger Zeit genutzt hat, das System immer noch bedienen kann, ohne alles wieder neu erlernen zu müssen.
  • Zufriedenheit: Durch eine angenehme Bedienung des Systems tritt eine vom Benutzer empfundene, subjektive Zufriedenheit ein.
  • Erlernbarkeit: Der Kunde muss die Vorgänge im System einfach erlernen können.

Funktionalität: Kann ich mit dem Shop mehr als nur Artikel verkaufen? (Z.B.: virtuelle Güter etc.)

Die Prüfung auf Funktionalität ist der schwierigste Teil an einem Vergleich, da es hier immer auf die individuellen Anforderungen des Onlineshops bzw. der Zielgruppe und der Produkte ankommt. Daher werden wir diese Prüfung relativ allgemein halten.

Mit den folgenden Checkliste kommen Sie den Fragen für Ihren individuellen Fall näher:

  • Wer ist meine Zielgruppe und kann man Zielgruppe alle Elemente bedienen?
  • Wie kann ich meine Produkte perfekt darstellen, welche Elemente müssen dargestellt werden und welche können weggelassen werden?
  • Möchte ich spezielle Produkte verkaufen, die vom „Standard“ abweichen, wie z.B. virtuelle oder individuelle Artikel oder verkaufe ich „Ware von der Stange“?
  • Wie viele Produkte sollen angeboten werden und wie helfe ich dem Kunden seinen „Wunschartikel“ zu finden?
  • Welche Zahlungs- und Versandarten möchte ich anbieten?
  • Soll der Onlineshop Mehrsprachig sein und in welche Länder soll geliefert werden?
  • Brauche ich eine mobile Version?
  • Soll der Onlineshop über ein eigenes Warenwirtschaftssystem verfügen oder gibt es bereits ein WWS mit dem der Onlineshop-System verknüpft werden soll?
  • Wie sollen Rechnungen und Lieferscheine generiert werden?
  • Brauche ich ein mehrstufiges Benutzersystem für meine Mitarbeiter oder genügt mir ein „Admin“?
  • Benötige ich Berichte über meine Verkäufe im Onlineshop?

Da alle diese Punkte Kosten bei der Erstellung eines Onlineshops verursachen, sollten diese auch für spätere „Ausbaustufen“ schon von Anfang an in Betracht gezogen werden.

Erweiterbarkeit: Gibt es APIs zu Marktplätzen, Warenwirtschaftssystemen und  Zahlungsarten für den jeweiligen Onlineshop?

Jeder Onlineshop hat ein Verzeichnis in dem viele Erweiterungen- meist käuflich- zu erwerben sind. Auch hier muss im Einzelfall geprüft werden, ob sich die Onlineshop-Software für das jeweilige Umfeld eignet.

Deckt eine Onlineshop-Software alle zurzeit benötigten Funktionen ab und erfüllt sie alle Anforderungen, ist diese Aussage noch nicht für die Zukunft gültig. Änderungen, die zu einem späteren Zeitpunkt in das Verhalten des Systems eingreifen oder minimale Änderungen an der Artikeldarstellung bewirken sollen, sollten in jeder Onlineshop-Software möglich und weitestgehend gut dokumentiert sein, damit der betreuende Entwickler Änderungen möglichst effizient in das System einpflegen kann. Hierbei spielt, abhängig von der Tiefe des Eingriffs in den Quelltext, neben der Verfügbarkeit/ Lesbarkeit des Quelltextes, auch eine gute Dokumentation eine wichtige Rolle.

Design: Wie hoch ist der Aufwand ein eigenes responsiven Themes anzulegen?

Das Aussehen des Shops muss nicht nur durch Austausch des Logos und der Farben auf die Corporate Identity des Betreibers oder der Marke abgestimmt werden. Mittlerweile ist es üblich auch den Markt der mobilen Kunden abzudecken. Aufgrund der steigenden Verbreitung von mobilen Endgeräten (z.B. Smartphones und Tablets) und der Zahl der Verkäufe über mobile Geräte besteht die Notwendigkeit, auch diese Nutzer zu bedienen, um einen optimalen Umsatz zu erzielen. Daher sollte jede Onlineshop-Software, neben einem Standard-Template für Desktop-Nutzer, auch eine mobile Version bereithalten oder sich mit möglichst wenig Aufwand anpassen lassen.

Der Kunde muss die Produkte in einer ansprechenden Art und Weise präsentiert bekommen. Wie diese Produkte präsentiert werden, ist nicht Bestandteil dieses Kriteriums. Bei diesem Kriterium geht es um die Möglichkeit, das „Wie“ umzusetzen.

Simply stated if the customer can’t find a product, he or she will not buy it!

Jakob Nielsen ’99

Im nächsten Beitrag dieser Serie werden wir dann in den Vergleich der Onlineshop-Software einsteigen und Magento vorstellen!

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